Nie wieder ärgern? Der Weg vom „Rumpelstilzchen-Dasein“ zur inneren Ausgeglichenheit.

nie wieder ärgern innere ausgeglichenheit

Ich bin ja grundsätzlich eher der Mensch, der in die Kategorie „Rumpelstilzchen“ einzuordnen ist. Nimmt mir im Straßenverkehr jemand die Vorfahrt, kann er sich glücklich schätzen, dass er nur mein hochrotes Gesicht im Rückspiegel zu sehen bekommt und die Schimpftiraden nicht hören muss, die ich von mir gebe. Ja, ich war immer recht leicht auf die Palme zu bringen. Mich zu ärgern, zählte quasi zu meinen liebsten Hobbies.

Wer in den letzten Monaten an meinem Leben teilhaben durfte (oder musste 😉 an dieser Stelle liebe Grüße an meine Freunde und Familie, die mich und meine Launen in dieser Zeit unfreiwillig ertragen mussten), der weiß, dass sich das mittlerweile ein wenig geändert hat. Dass ich mich verändert habe. Wobei man auch sagen könnte, ich habe mittlerweile wieder zu mir selbst gefunden, nachdem ich eine Zeit lang massiv von meinem Weg abgekommen war. Oder besser gesagt: Durch äußere Umstände vom Weg abgebracht wurde.

ärgern

Was aber hat letztlich dazu geführt, dass der Ärger aus meinem Leben verschwand? Und was kann ich euch aus meinen Erfahrungen mitgeben?

Eine andere Bloggerin hat mir gegenüber vor Kurzem ihr Bedauern darüber ausgedrückt, dass es auf TwistheadCats in letzter Zeit so still geworden ist, denn sie hat meine Beiträge immer gerne gelesen. Ich habe ihr ehrlich geantwortet, dass ich erst mein Leben wieder auf die Reihe bekommen muss, bevor ich wieder schreiben kann. Und dass ich mir sicher bin, aus dieser Lebenskrise Erkenntnisse schöpfen zu können, die mich zu neuen Beiträgen inspirieren werden, welche auch meinen LeserInnen wieder den gewohnten Mehrwert liefern können.

Und schwupps, da war sie , die Erkenntnis! Ich habe in den letzten Monaten sehr viel über mich und über das Leben gelernt. Und eine wichtige Lernerfahrung war die Tatsache, dass man sich im Leben viel weniger ärgern sollte.

Gut, ich will mal ehrlich sein: Am Anfang meiner nicht enden wollenden Krise (denn eine Krise kommt selten alleine) neigte ich noch eher dazu, mich darüber zu ärgern, wie ungerecht das Schicksal zu mir war. Positives Denken fällt einfach irgendwann schwer, wenn das Leben entscheidet, dass es  in mehreren Bereichen gleichzeitig kriseln soll. Irgendwann verliert man den Fokus aus den Augen und sieht das Gute an den Dingen nicht mehr.

Und sogar ich (und ich halte mich wirklich für einen sehr selbstreflektierten Menschen, der über die Dinge und vor allem sich selbst sehr viel nachdenkt) stand immer wieder kurz davor, den Kopf in den Sand zu stecken, denn jedesmal wenn ich dachte, nun könnte es wirklich nicht mehr schlimmer kommen, folgte der nächste Schlag.

„Und dabei war es doch immer diese grundliegende Hoffnung, dass alles einen Sinn hatte, dass jedem Übel eine positive Quintessenz zugrunde liegt, die mich antrieb, weiterzumachen und nicht aufzugeben.“

Doch meine Überzeugung wurde im letzten halben Jahr auf eine harte Probe gestellt…

In meinem Fall begann alles mit der Diagnose eines kaputten Rückens, durch die ich meinen Job, den ich liebte und den Sport, der meine Leidenschaft war, nicht mehr ausführen konnte und gipfelte im Tod meines Großvaters. Doch letzterer war der Auslöser dafür, dass sich endlich der Knopf in meinem Kopf löste. Denn ich erkannte: Die Auseinandersetzung mit dem Tabuthema Tod relativiert einfach alles.

Sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen, lässt einen bewusster leben. Viele Menschen fürchten den Tod. Und ich sage euch: Angst ist oftmals der Antrieb, der einen die eigenen Potentiale vollends entfalten lässt.

Aber selbst wenn diese Todesfurcht nicht gegeben ist, wie in meinem Fall, denn der Tod macht mir keine Angst, lehrt er einen doch den nötigen Respekt vor dem Leben .

Wir neigen dazu, unser Leben zu leben, als wären wir unsterblich.

Wir schieben die Dinge ständig vor uns her und halten uns mit Ärgernissen auf, anstatt nach vorne zu schauen.

„Wir nehmen Situationen, die uns verärgert haben oftmals tage-, wochen- oder monatelang mit, bis wir aus einer Mücke endgültig den Elefanten gemacht haben, der ab sofort auf unseren Schultern lastet und unseren Alltag negativ beeinflusst.“

Wir verlernen loszulassen und beschäftigen uns lieber mit der Vergangenheit oder der Zukunft als mit dem Hier und Jetzt.

An dieser Stelle möchte ich einen Auszug aus dem Beitrag „Good vibes only“ von Tellyventure zitieren, die zu diesem Thema geschrieben hat: 

„[… Aber das Beruhigende ist doch: Jeder schlechte Tag hat auch nur 24 Stunden.
Und umso schöner erscheinen dann die neugeborenen Tage, an denen du dich leichtfüßig, energiegeladen, gesegnet, hoffnungsvoll, gewertschätzt und geliebt fühlst …]

Und dieser Aussage stimme ich mittlerweile voll und ganz zu. Gram und Wut sollten nicht die Gefühle sein, die unsere Lebensqualität dauerhaft beeinflussen. Wir müssen lernen, die Dinge auch einfach einmal hinzunehmen und danach abzuschließen und nach Vorne zu blicken.

Und ich sage das nicht nur so einfach, denn wie ich euch ja bereits verraten habe, bin ich definitiv kein Mensch, der immer nur die Sonnenseite des Lebens sieht. Und ich hinterfrage ALLES. Immerzu und ständig.

Doch in den letzten Monaten habe ich damit aufgehört. Ich habe damit begonnen, zu selektieren, wo es sich für mich lohnt, Fragen zu stellen und wo ich meine Energie lieber auf andere Dinge verlege. Denn so funktioniert Psychohygiene für mich.

„Wenn man der Negativität und dem Ärger zu viel Raum gibt, kann das Positive sich irgendwann nicht mehr durchsetzen.“

Ich habe den Eindruck, dass Negatives einfach viel mehr Gewicht hat und es uns oftmals viel leichter fällt, uns auf die Dinge zu konzentrieren, die uns belasten.

Wir suhlen uns lieber im Selbstmitleid, als daran zu arbeiten, die Dinge, die uns herausfordern, zu verbessern. Denn es ist eben viel schwieriger das Positive in gewissen Situationen zu erkennen, wonach man meistens sehr intensiv suchen muss, als das Negative zu sehen, das unmittelbar vor uns liegt.

Mein Fazit:

Die Hoffnung, dass alles einen Sinn hat, ist mir geblieben. Auch wenn man es nicht immer gleich erkennt… Doch:

Das bedeutet nicht, sich zurückzulehnen und darauf zu warten, dass alles von selbst wieder gut wird. Nein, das bedeutet harte Arbeit. Vor allem an sich selbst und der eigenen Einstellung zum Leben.

Ich habe für mich beschlossen, dem Ärger KEINEN Raum mehr zu geben. In meinem Fall zwar aus der Not heraus, denn irgendwann waren meine Kräfte einfach erschöpft und ich hatte keine Energie mehr, mich über gewisse Sachen zu ärgern. 

Doch oft schon habe ich gesagt, dass man aus Krisen wächst und man erst wenn man am Boden liegt, wieder aufstehen kann. Schade, dass es im Leben manchmal so sein muss. Aber das gibt uns die Möglichkeit aus unseren Erfahrungen zu lernen und es in Zukunft besser zu machen. Dann kann man zukünftig bereits präventiv Situationen vermeiden, die negativen Einfluss auf unser Leben nehmen könnten.

Klar werde ich mich weiterhin über eine gestohlene Vorfahrt ärgern. Doch anstatt eine Stunde später immer noch gedanklich über die betreffende Person herzuziehen, ärgere ich mich nun vielleicht drei Minuten ausgiebig und danach ist es dann aber auch wieder gut.

Mein Appell an euch: 

Stellt euch doch einmal ganz bewusst die Fragen:

  • Lohnt es sich überhaupt, sich über Kleinigkeiten zu ärgern?
  • Lasse ich mir wirklich von einer gestohlenen Vorfahrt den Tag verderben?
  • Ist es das im Großen und Ganzen betrachtet wert, dass ein kleines Ärgernis meinen Tag oder gar mein ganzes Leben bestimmt?

Ich sage ganz klar: Nein!

Natürlich steht es uns zu, hin und wieder zu verzweifeln und wütend zu sein. Doch diese Gefühle dürfen nicht die Oberhand gewinnen.

Es ist unmöglich, sich nicht auch mal zu ärgern. Das gehört einfach zum Mensch-Sein dazu. Und wären wir immer nur fröhlich und glücklich, wäre das ja auch irgendwie langweilig, stimmt´s? 😉

Der Clou ist es, den Ärger nicht über sein Leben bestimmen zu lassen. Ihr müsst für euch selbst herausfinden, wann der Punkt erreicht ist, an dem es euch nicht mehr gut tut, die Negativität zuzulassen und ab wann ihr lernen müsst, loszulassen. 

Und ich garantiere euch: Mit dieser Erkenntnis lebt es sich leichter. Denn das Leben ist schöner und lebenswerter, wenn die Zeiten der Freude einen Vorteil gegenüber jenen haben, die euch runterziehen 🙂 .

Doch ihr seid selbst dafür verantwortlich, dass das so sein kann! Macht euch das bewusst und arbeitet an eurer inneren Einstellung zum Leben, auch wenn das Bedeutet sich hin und wieder mal die eigene Endlichkeit vor Augen zu halten.

Liebe Grüße, eure Kay.

2 Kommentare zu „Nie wieder ärgern? Der Weg vom „Rumpelstilzchen-Dasein“ zur inneren Ausgeglichenheit.

    1. Ja ein klassisches Sonnenscheinchen werde ich wohl nie werden, aber eine grundliegende Geduld und Ausgeglichenheit ist zumindest ein guter Anfang denke ich 😉 LG

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