Dankbarkeit – Eine Rarität in unserer Gesellschaft

Meerblick

Aus Krisen gehen die Menschen gestärkt hervor.

Oder zumindest erkenntnisreich, wie in meinem Fall…

Normalerweise erscheint auf meinem Blog jeden Samstag eine wöchentliche Zusammenfassung zu diversen Erkenntnissen, Inspirationen und meinen aktuellen Lieblings-Blogs.

Seit Ende August ist dem nicht mehr so. Weshalb?

Nun, der Grund dafür ist sehr privater Natur und daher möchte ich nicht näher darauf eingehen, als dass ich euch mitteilen möchte, dass meine Familie von einem unerwarteten Schicksalsschlag getroffen wurde.

Solche Ereignisse versetzen die Leben aller Beteiligten und des Betroffenen selbst natürlich in den absoluten Ausnahmezustand. Bisher wurde ich von solchen Dramen glücklicherweise verschont, doch irgendwann trifft es uns wohl alle einmal.

Nichts desto Trotz, zog ich auch aus diesem tragischen Vorfall eine Erkenntnis, die meine Weltanschauung kurzzeitig völlig über den Haufen warf.

Das Streben nach Zufriedenheit vs Zufriedenheit durch Dankbarkeit

Sehr oft schreibe ich hier auf TwistheadCats darüber, dass man niemals stehenbleiben, keine Angst vor Veränderungen haben und immer bestrebt sein sollte, seine Potentiale zu entfalten, um das Beste aus seinem Leben herauszuholen.

Ich plädiere ständig für ein achtsames und bewusstes Leben in der Gegenwart, ohne Furcht vor der Zukunft oder wehmütiges Zurückblicken auf die Vergangenheit.

All das sehe ich natürlich immer noch so und ich stehe zu jedem Beitrag, den ich hier auf diesem Blog verfasst habe.

Dennoch musste ich schmerzlich feststellen, dass ich eine ganz bestimmte Eigenschaft bisher schmählich vernachlässigt habe: Die Dankbarkeit.

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Dankbarkeit ist in unserer Gesellschaft eine Rarität

Inmitten meiner persönlichen Krise bin ich in den letzten Wochen ausnehmend vielen Menschen begegnet (oder ich habe diese einfach bewusster wahrgenommen), die ihre Zufriedenheit (ausschließlich) an ihren materiellen Besitztümern messen oder  sich emotional aus der Bahn werfen lassen, von Gegebenheiten, die im Großen und Ganzen betrachtet, vollkommen nichtig sind.

Relativ schnell stellte sich, infolge dieser Beobachtungen, bei mir eine sehr große Frustration ein. Mir fehlte die Empathie und das Verständnis für diese Menschen und ihre Bedürfnisse. Ich konnte nicht nachvollziehen, wie man sich über Kleinigkeiten so völlig überzogen ärgern konnte, wenn es doch weitaus größere Probleme auf dieser Welt gibt. Sarkastische Gedanken, wie “Sei froh, dass du keine größeren Probleme hast” konnte ich mir deshalb manchmal einfach nicht verkneifen.


Woher kommt es, dass wir uns von solchen Dingen aus der Fassung bringen lassen?

Wie können wir nicht erkennen, dass wir doch eigentlich sehr privilegiert sind?


Natürlich soll man sich nicht tagtäglich mit dem Leid anderer auseinandersetzen und wenn meine Großmutter beim viel zu üppigen Mittagessen wieder mal den Spruch “Die Kinder in Afrika würden sich über etwas zu essen freuen!” loslässt, wenn ich etwas übrig lasse, werde ich mich auch in Zukunft nicht selbst geißeln, wenn zwei Stückchen von der 5kg – Portion Kaiserschmarren auf dem Teller liegen bleiben.

Doch ein wenig Bewusstsein für das was man hat und dies auch zu schätzen zu wissen, sollte dennoch nicht zuviel verlangt sein…

Um letztendlich nicht in eine allgemeine Soziophobie zu  gleiten, machte ich mir schließlich lieber Gedanken über meinen eigenen Umgang mit Frustration und Ärger…

Ich habe meine persönliche Bewältigungsstrategie in der Dankbarkeit gefunden.

Natürlich wird es in meinem Leben immer wieder Ereignisse geben, die mich verärgern. Aber eben nicht mehr in dem Maße und der zeitlichen Dauer wie zuvor.

Ich habe aus dieser Erfahrung für mich mitgenommen, dass ich das nächste Mal, wenn ich mich über eine Kleinigkeit zu ärgern beginne, erstmal in mich gehe und darüber nachdenke, ob es das tatsächlich wert ist. Ob es nicht vielmehr andere Dinge gibt, für die ich dankbar bin und die das kleine Ärgernis wieder relativieren. 

Dann besinne ich mich auf all die Dinge, die ich im Leben „besitze“, welche mit Geld nicht zu bezahlen sind…

Leuchtturm

Mein Fazit:

Ich weiß nun, dass es manchmal eben DOCH nötig ist, zwischendurch einmal kurz stehenzubleiben und sich mit dem Ist-Zustand auseinanderzusetzen.

Neben dem ganzen Streben nach Weiterentwicklung und Zufriedenheit, sollte man auch einmal in sich gehen und darüber nachdenken, was bereits jetzt schon im eigenen Leben vorhanden ist, das einen zufrieden macht.


Dazu könnte man sich folgende Fragen stellen:

Was sind die Dinge die das Leben lebenswert machen?

Wofür bin ich tatsächlich dankbar?


Und auch mir fallen viele Dinge ein, die mich glücklich machen und für die ich dankbar bin.

Sei es meine finanzielle Unabhängigkeit, mein Job, den ich gerne mache, meine Familie, die immer da ist, wenn ich sie brauche und die mich stets unterstützt, meine Freunde, die mit mir durch Dick und Dünn gehen, meine Wohnung, die meine Wohlfühloase und mein persönlicher Rückzugsort ist, mein Freund, der mir seine aufrichtige Liebe schenkt, auch wenn ich nicht immer einfach bin und ja, auch meine Tiere, die mich tagtäglich zum Lachen bringen. Für all das und noch viel mehr bin ich einfach dankbar!

Und diese Dankbarkeit nimmt einem letztendlich auch den Stress, ständig vorwärts streben zu müssen. Sie macht ein Scheitern erträglich, denn wenn man seine Ziele nicht sofort erreicht, gibt es eben Dinge und Umstände, auf die man sich dennoch besinnen kann, die einen JETZT GERADE glücklich und zufrieden machen.

Mein Appell an Euch:

Bitte haltet hin und wieder Inne und macht euch bewusst, wofür ihr dankbar seid in eurem Leben. Führt euch diese Dinge immer wieder vor Augen und schenkt ihnen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Denn die kostbarsten Dinge im Leben eines jeden Menschen sind meist diejenigen, welche vergänglich sind.

Liebe Grüße, eure Kay.

 

20 Kommentare zu „Dankbarkeit – Eine Rarität in unserer Gesellschaft

  1. Gute Einstellung. schade, dass immer erst etwas passieren muss, bis der Mensch sein Verhalten ändert, dies scheint in seiner Natur zu liegen, zumindest in der westlichen Hemisphäre. Geduld, Empathie und Freundlichkeit scheint einen niedrigeren Stellenwert in einer Gesellschaft zu haben, je fortgeschrittener der Konsumenten- und Klickwahn ist. Ich habe nur das eine Leben und muss leider damit zurecht kommen. Ich hoffe, dass ich in irgendeiner Art und Weise meinen Fußabdruck für die Nachwelt hinterlassen kann, sei es durch mein Kaufverhalten, meine Handlungen anderen Menschen gegenüber oder mit meinen Bildern.

  2. Sehr gutes Prinzip. Ich hatte letztes Jahr auch einen harten Schicksalsschlag in der Familie und bin daraufhin zusammengebrochen. In der Therapie war Achtsamkeit & Dankbarkeit ein großes Thema – daher finde ich es toll, dass du dieses Prinzip an die Öffentlichkeit bringst. Allerdings finde ich es schwer, am Ball zu bleiben. Wie machst du das? Hast du eine Pinnwand, die dich visuell daran erinnert, immer wieder zu reflektieren? Oder hast du es schon so verinnerlicht?

    1. Danke erstmal für deine persönlichen Worte, liebe Tamara!

      Tatsächlich habe ich diese Einstellung irgendwann einfach verinnerlicht, wenngleich mich dieses Erlebnis erneut daran erinnert hat, wie wichtig Dankbarkeit ist.

      Aber ja, es gibt natürlich Methoden, sich immer wieder daran zu erinnern. Ich denke ich wäre auf jeden Fall der visuelle Typ, bei dem Post It’s auf dem Kühlschrank oder ein Tagebuch in dem ich täglich eine Sache einträge für die ich am Ende des Tages dankbar bin, eine perfekte Möglichkeit dafür wären. Danke für den Input!

      Liebe Grüße!

  3. Danke für diesen schönen Artikel und die berührenden Worte!
    Du hast Recht damit, dass auf die Dankbarkeit ganz besonders oft vergessen wird. Gerade, wenn man selbst in einer Krise steckt, ist es oft nicht so leicht, die Dankbarkeit auch wirklich hervorzuholen und sich bewusst zu machen. Man sieht zwar dass es einem eigentlich gut gehen sollte, aber glücklich ist man deswegen dann oft trotzdem nicht.
    Es hilft aber, gerade in Nicht-Krisenzeiten, stehen zu bleiben, den Bäumen beim rascheln zu lauschen, an den Blumen zu riechen und für eine Minute kurz sein Leben zu betrachten und festzustellen, dass es einem gut geht und man dankbar dafür ist. Dann kommt man auch aus den Krisenzeiten schneller wieder heraus 🙂

    Ich hoffe, dass du und deine Familie wieder gut auf die Beine kommt und wünsche euch viel Zusammenhalt. Verlust und Schicksalsschläge sind immer immer schlimme Ereignisse, aus ihnen kann in folgedessen aber manchmal wirklich Schönes wie enger Zusammenhalt und Frieden schliessen entstehen.

    Alles Liebe,
    Christina von http://miles-and-shores.com

    1. Danke Christina für diese schönen Worte! Genauso ist es! Hin und wieder einfach mal stehenbleiben und sich bewusst werden, was es alles Wunderbares auf dieser Welt gibt, wofür man dankbar sein sollte!

      Danke dir! Auch ich teile diese Einstellung, dass aus allem Negativen immer auch etwas Positives entstehen kann, auch wenn man es vielleicht nicht gleich sieht. Ich hoffe sehr, dass das dieses Mal auch so ist!

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende dir!

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