#letstalkaboutit – Das Böse in uns.

böse

Irgendwo zwischen der „Knickerbocker Bande“ von Thomas Brezina und Harry Potter von JK Rowling fing sie an, meine Faszination für das Böse.

Die (Psycho-)Thriller von Simon Beckett und Jilliane Hoffman verschlinge ich regelrecht und „Sieben“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.

Dem Horror Genre bin ich wiederum weniger zugeneigt. Das ist mir einfach zu überzogen und unrealistisch. Ich mag es, wenn die Geschichte in einem Thriller mir das Gefühl vermittelt, das Alles könnte tatsächlich passiert sein. Und Tatsache ist: Das ist es meistens auch.

Nun, ich bin nachweislich kein Psychopath (wobei ich hier laut Definition von einer Persönlichkeit mit mangelnder Empathie spreche und nicht als gewalttätiger Person per se) oder potentieller Serienkiller. Aber ich habe eine relativ hohe Ekelgrenze. Das mag einerseits an meinem Beruf liegen, der den Umgang mit diversen Körperflüssigkeiten nunmal mit sich bringt. Andererseits bin ich  durch die Bücher die ich lese und die Filme die ich sehe, vermutlich schlichtweg abgestumpft.

Gewalt ist allgegenwärtig. Bereits unsere Kleinsten kommen damit in Berührung. Beim Videospiel fängt es an und beim Cyber-Mobbing hört es längst nicht auf. Ich kann verstehen, weshalb gerade Eltern diese Entwicklung mit Besorgnis betrachten.

kapuzenmann


Der Unterschied zwischen Realität und Fiktion


Aber eigentlich denke ich nicht, dass ich abgestumpft bin. Wenn im realen Leben jemandem Leid geschieht, macht mich das sehrwohl betroffen. Ich kann Realität und Fiktion gut voneinander unterscheiden. Kritisch wird es erst, wenn man dies nicht mehr kann.

Doch woher rührt in uns Menschen die Faszination für das Böse?

Ist der Mensch böse geboren? Oder sind wir im Laufe unseres Lebens alle der Gefahr ausgesetzt, aufgrund der äußeren Umstände, wie Medien und der (daraus resultierenden) Abstumpfung der Gesellschaft, irgendwann böse zu werden?

Fakt ist, nicht jeder Psychopath oder Killer ist böse. Das mag manchen nun absurd erscheinen, angesichts der Tatsache, dass diese Menschen vielleicht grausame Taten an anderen verübt haben.

Doch böse zu sein, setzt voraus, vorsätzlich zu handeln.

Was aber ist mit der Mutter von nebenan, die aus Überforderung im Affekt ihr Kind erschlägt? Ist sie böse? Was ist mit dem Familienvater, der den Schänder seiner minderjährigen Tochter stellt und Rache übt? Ist er böse? Oder wurden sie alle aufgrund äußerer Umstände zu dem, was sie sind? Steckt diese Fähigkeit in jedem von uns?

böse in uns


Doch hier geht es nicht um die Schuldfrage. Es geht darum, was uns böse macht.


Bereits in der Antike setzten sich Philosophen mit der Frage „Ist der Mensch gut, böse oder gar nichts?“ auseinander und bis heute versuchen Psychologen und Wissenschaftler eine Ursache für das Böse zu finden.

Einigkeit herrscht allerdings nur bei der Tatsache, dass der Mensch die einzige Spezies auf Erden ist, die gewalttätige Handlungen zum eigenen Vorteil nutzt.

Der Neurologe und Psychiater Reinhard Haller vertritt beispielsweise die Theorie, dass jeder Mensch von Grund auf böse ist, es jedoch wesentlich gesellschaftstauglicher sei, diesen Drang zu unterdrücken und dadurch ein friedliches Zusammenleben zu gewährleisten.

„Man muss zwischen der bösen Tat und dem bösen Menschen unterscheiden.“ So lautet wiederum die Aussage von Ferdinand von Schirach (Strafverteidiger und Autor)  im Interview mit dem Philosophen Richard David Precht. In seiner Karriere sei ihm „der böse Mensch“ noch nie begegnet. Seiner Meinung nach ist das Böse der Mangel an Mitleid. Also, wenn man aufgrund niedriger Motivationen (Habgier, Lustgewinn) anderen Menschen Leid zufügt, um einen persönlichen Gewinn daraus zu ziehen. Das Böse sei also das radikale Aussetzen der Empathie, in bestimmten Situationen.


Eine eindeutige Definition des Bösen gibt es nicht. 


Ich selbst frage mich schon hin und wieder, ob mit mir etwas nicht stimmt, weil ich die Bücher genieße, die ich lese? Schlummern in mir Abgründe, von denen ich nichts weiß? Warum aber teilen so viele andere dieselbe Leidenschaft wie ich? Sind wir damit eher gefährdet, irgendwann potentielle Amokläufer zu werden? Oder schützt uns gerade das vor Affekthandlungen, weil unsere Reizschwelle höher ist?

Fragen über Fragen, die niemand eindeutig beantworten kann.  Aber dennoch interessiert mich gerade deswegen eure Sicht der Dinge.

Wie ist eure Meinung zu diesem Thema? Gibt es „gut“ und „böse“ überhaupt? Oder sind wir alle Opfer äußerer Umstände?

Liebe Grüße, eure Kay.

 

Bildquelle: pixabay.com

11 Kommentare zu „#letstalkaboutit – Das Böse in uns.

  1. Ich bin (leider) mit falschen Erwartungen an den Artikel rangegangen. Habe nur „böse“ und „Philosophen“ gelesen und musste draufklicken. Deshalb nehm ich mir einfach mal die Dreistigkeit raus, die philosophische Schiene zu fahren 😉 Gibt es die Kategorien „gut“ und böse“ wirklich oder sind diese rein subjektiv? Wie sagt man so schön: „Was für die Spinne normal ist, ist für die Fliege das Chaos.“ Basiert „gut“ und „böse“ nicht einfach nur auf gesellschaftlichen Normen bzw kollektivem Werteverständnis? Gucken wir uns die Frauenrechte in anderen Ländern an. Was für uns eine komplette Katastrophe ist und wir als „böse“ bezeichnen, ist in anderen Ländern die Norm und wird von der Mehrheit der Gesellschaft als völlig in Ordnung angesehen. Hinzukommend ändern wir schnell unsere Meinung wenn Rekontextualisierung ins Spiel kommt. Ein Beispiel: Niemand würde den Kauf eines Smartphones „gut“ oder „böse“ bewerten. Ändern wir unsere Meinung, wenn wir herausfinden, dass dieses Smartphone von Kindern in einer Fabrikhalle hergestellt wird? Ziemlich sicher. Wenn Kinder in Rio Touristen bestehlen, ist das eine gute oder eine böse Tat? Ändert sich unser Verständnis, wenn wir herausfinden, dass durch dieses Stehlen eine ganze Familie ernährt wird? Fragen über Fragen. Vielleicht im Bezug auf den Beitrag nicht so ganz den Nagel auf den Kopf getroffen aber meine Finger brauchten was zu tun 😀

    LG Andre

    1. Hallo Andre. Vollkommen richtig, was du schreibst.
      Aber ändern wir unsere Meinung wirklich, wenn wir die Hintergründe kennen? Wieviele kaufen Schuhe und Kleidung, die von Kindern in armen Ländern hergestellt werden, oder essen Fleisch aus Massentierhaltung, weil es billig ist? Ist man böse weil man dies tut?
      Die Kategorisierung von gut und Böse, richtig und falsch ist so gut wie unmöglich. Wie du richtig schreibst und ich ebenso in meinem Beitrag, verleiten uns oft äußere Umstände zu gewissen Handlungen, die von als gut oder böse wahrgenommen werden.

      Also nicht ganz unpassend und ein guter Input zum Hintergrund meines Beitrags 🙂 Ähnliches habe ich in einem anderen #letstalkabaoutit Post bereits geschrieben, wo es um selbsternannte „Gutmenschen“, die Vorstellung unserer Gesellschaft zu „richtig“ und „falsch“, etc geht 🙂

      Liebe Grüße! Und dennoch danke für deinen Kommentar!

    2. *von unserem Umfeld als gut oder böse wahrgenommen werden

      Entschuldige, Smartphone und Autokorrektur sind mir an manchen Tagen nicht gerade die besten Freunde 😉

  2. Ich liebe auch spannende Psychothriller. Vor allem die skandinavischen düsteren, wie „Die Brücke“ oder „Sarah Lund“. Gerne mehrteilig und mit mehreren Handlungssträngen. Und Horrorfilme sind mir auch zu unrealistisch.

  3. Psychothriller kann auch ich auch nie aus der Hand legen. Die von Sebastian Fitzek lese ich besonders gern.
    Ein sehr interessanter Beitrag von dir und da werde ich mit Sicherheit noch länger drüber nachdenken müssen …

    1. Oh danke dir den Tipp, von diesem Autor habe ich bisher noch kein Buch gelesen! Das werde ich aber schleunigst ändern 🙂 Freut mich, dass dir mein Beitrag gefällt!

      LG, Kay.

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