Vorurteile – Wie Erfahrungen unser Verhalten negativ beeinflussen können.

Vorurteile Erfahrungen

Es ist wieder Monatsende und damit auch Zeit für einen Beitrag zum Blogprojekt „12 Möglichkeiten zur Selbstverbesserung“ von Dailymaybe. Sie selbst hat sich gerade eine kleine Auszeit gegönnt, um ihren Blog neu zu gestalten. Aber Anfang Juli geht sie wieder online, also wer ebenfalls am Projekt teilnehmen möchte – man kann jederzeit einsteigen! 🙂



Eine undefinierbare Eigenschaft…


So, nun aber zum Thema, das mich im Juni am Meisten beschäftigt hat. Das Blogprojekt dient ja dazu, an gewissen Eigenschaften bewusst zu arbeiten, um am Ende des Jahres im Idealfall einen Fortschritt in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung erzielt zu haben.

Es fiel mir dieses Monat etwas schwer, die Eigenschaft, an der ich gearbeitet habe, in Worte zu fassen. Vermutlich trifft es „Unvoreingenommenheit“ am Ehesten. Ich erzähle Euch am Besten einfach mal, wie mein persönlicher Lernprozess in den letzten Wochen ausgesehen hat.

Begonnen hat alles mit dem Satz:

„Wir dürfen uns nicht von unseren bisherigen Erfahrungen beeinflussen lassen, wenn wir in neue Situationen geraten.“


Die Beurteilung von bestimmten Situationen hängt eng mit unserem eigenen Werteverständnis zusammen.


Und unsere Werte wiederum entstehen aus Erfahrungen die wir in unserem bisherigen Leben gemacht haben.

Ich sehe Erfahrungen als wichtigsten Bestandteil unserer Persönlichkeit an, denn aus ihnen lernen wir, egal ob es positive oder negative waren, dank ihnen entwickeln wir uns weiter und sie machen uns zu dem was wir sind.

„Jedes Individuum macht eigene Erfahrungen. Jedes Individuum vertritt eigene Werte.“

Doch nun wurde meine Theorie, dass es gut ist, uns von unseren Erfahrungen leiten zu lassen, durch diesen einen Satz komplett infrage gestellt.

Denn es ist doch so: Wenn wir uns in einem Setting befinden, in welchem von uns eine gewisse Reaktion erwartet wird, kommen in uns automatisch die Erinnerungen an Situationen hoch, die jener ähnlich sind, wie die, in der wir uns gerade befinden.

Dementsprechend reagieren wir dann natürlich auch. Dieser Prozess geschieht meist völlig unbewusst, denn das erste was hochkommt, sind nicht klare Bilder an gewisse Situationen, sondern die Gefühle, welche durch die Erinnerung ausgelöst werden.


Natürlich gibt es auch Erfahrungen, die essentiell sind, damit wir unser Leben überhaupt bestreiten können.


Beispielsweise lernt ein Kind, das auf die heiße Herdplatte greift, dass dies schmerzhaft ist und wird es in Zukunft nicht mehr tun. -> Wichtige Erfahrung, die abgespeichert wird.

Aber gerade, wenn es um Zwischenmenschliches geht, muss man die Erfahrungswerte ein wenig differenzieren. 

Ein Beispiel:

Wir befinden uns in einem Streitgespräch mit einer Person, die von ihrem Verhalten und vielleicht sogar optisch jemandem ähnelt, mit dem wir in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben. Sofort projizieren wir unsere Erinnerungen auf diese Person und stecken sie in eine Schublade. Wir unterstellen ihr, dass sie dieselben Eigenschaften hat, wie die Person, mit der wir in der Vergangenheit auf keinen grünen Zweig gekommen sind. Wir nehmen sie nicht als eigenständige Persönlichkeit wahr, sondern gehen automatisch davon aus, dass dieser Mensch nun ebenso reagieren wird, wie die Vergleichsperson in unserem Gedächtnis.

vorurteile


Hier ist es ratsam, sich von eben diesem Verhaltensmuster zu distanzieren. Oft kann man dadurch Konflikte leicht vermeiden.


Wir sollten uns die Situaiton einmal in Slow Motion ansehen. Wenn wir genug Zeit hätten um das Setting distanzierter zu betrachten, würden wir vielleicht merken, dass die Gefühle, die wir mit der aktuellen Person verbinden, nichts mit dem Ist-Stand zu tun haben.

Wir könnten uns gedanklich in die Vergangenheit zurückversetzen und noch einmal reflektieren, wie unser Gegenüber (aber auch wir selbst) reagiert hat. Und weshalb die Situation damals nicht gut ausgegangen ist. Vielleicht lag es ja auch an uns? Und letzten Endes würden wir zu dem Schluss kommen, dass die jetzige Situation absolut nichts mit dem zu tun hat, was wir damals erlebt haben.

Dass es sich hierbei um eine völlig neue Erfahrung handelt. Und dass wir uns in unserer Reaktion nicht von alten Gefühlen beeinflussen lassen sollten, sondern die jetzige Gegebenheit neutral betrachten sollten.

„Wir verwehren Individuen ansonsten die Chance, sie selbst sein zu dürfen.“

Mein Fazit:

Ich kann von meiner Meinung, dass wir die Summe unserer Erfahrungen sind, nicht abrücken.

Aber ich habe auch daraus gelernt, dass ich nicht immer meinen ersten Impulsen folgen sollte. Gerade wenn es mir schwer fällt, eine Situation unvoreingenommen zu bestreiten, sollte ich einmal darüber nachdenken, woher diese Vorurteile überhaupt kommen.

Gerade beruflich kann dies sehr sinnvoll sein. Nur weil der ehemalige Chef ein Trottel war, darf ich seine Fehler nicht meinem neuen Vorgesetzten von Vornherein unterstellen, wenn er einmal etwas nicht richtig macht.

„Manchmal muss man sein eigenes System durchbrechen um voran zu kommen. Nur so entstehen auch neue Erfahrungen: Indem wir sie zulassen.“

Leider ist es nicht immer möglich, in aktuen Situationen zu sagen: “Moment ich muss erstmal in mich gehen, bevor ich auf Ihr Anliegen reagieren kann.” Da muss man schnell handeln. Instinktiv. Aber vielleicht kann man gerade das gut trainieren, indem man einfach mal nicht so reagiert, wie es einem die Gefühle sagen, sondern kurz durchatmet und das Gegenteil von dem sagt, was man eigentlich sagen möchte.

Und dann entwickelt sich das Gespräch vielleicht in eine ganz andere Richtung!

Mein Appell an Euch:

Gebt euch selbst die Chance, neue Erfahrungen zu machen, indem ihr euch selbst auch manchmal hinterfragt. Hört auf damit, eure Gefühle auf Andere zu projizieren und brecht eure eigenen voreingenommenen Meinungen auf.

Gebt jedem Menschen die Chance, euch sein wahres Ich präsentieren zu dürfen. Legt eure Vorurteile ab. Nützt eure Erfahrungen, um eine erste Einschätzung zu treffen, aber lasst sie nicht über die Situation bestimmen!


Mir selbst ist das Ganze ja irrsinnig schwer gefallen, denn ich besitze eine sehr gute Menschenkenntnis (das soll jetzt nicht eingebildet klingen, ich lag nur mit meiner ersten Einschätzung von Personen bisher in 90% der Fälle jedesmal richtig), aber auch ich bin lernwillig und habe erkannt, dass es oftmals ein Fehler ist, voreilige Schlüsse zu ziehen.

Denn dann kontrolliert man die Situation/das Gespräch und bestimmt sogar unbewusst, in welche Richtung diese/s verläuft. Ich möchte ein wenig offener werden und versuchen, zumindest den restlichen 10% , bei denen ich nicht sofort richtig liege, die Möglichkeit einzuräumen, mich früher von sich zu überzeugen 😉 . Mal sehen, ob ich das jemals schaffen werde :D. Aber ich bin wie immer guter Dinge!


Liebe Grüße, eure Kay.

2 Kommentare zu „Vorurteile – Wie Erfahrungen unser Verhalten negativ beeinflussen können.

  1. Huhu liebe Kay,

    definitiv ein Punkt, an dem wir alle arbeiten sollten! Genau wie du habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass ich Personen manchmal schnell in Schubladen stecke, weil ich meine früheren Erfahrungen aus anderen Situationen auf eben diese projiziere. Und jedes Mal stellten sich meine Vorurteile als falsch heraus. Ich habe leider nicht so eine gute Menschenkenntnis wie du 😉 Seit dem versuche ich jedes Mal Abstand von der Situation zu gewinnen und sie von außen neu zu bewerten. „Nichts ist gut oder schlecht, unser Denken macht es dazu.“ Das Zitat von Shakespeare trifft es einfach auf den Punkt. Es liegt an uns, wie wir eine Situation wahrnehmen. Es gibt immer zwei Sichtweisen auf die Dinge! Sehr schöner Beitrag, Kay, danke fürs Teilen!

    Liebe Grüße,
    Maj-Britt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere