Toleranz – Gibt es diese wirklich oder ist sie reine Utopie?

Toleranz TwistheadCats

Ich habe mich in meiner #letstalkabaoutit Reihe ja mit einigen Tabuthemen in unserer Gesellschaft, wie Sexualität., Behinderung oder Depressionen auseinandergesetzt.

Immer wieder habe ich dabei an die Toleranz der Menschen appelliert, damit diese Tabuisierung irgendwann ein Ende findet.

Da ich am Blogprojekt „12 Möglichkeiten zur Selbstverbesserung“ von Dailymaybe teilnehme, in dem es darum geht, jedes Monat an einer bestimmten Eigenschaft zu arbeiten, um diese, im besten Fall, zu verbessern, lag es natürlich nahe, dass ich mir Gedanken über meine eigene Toleranz machte.

Wie tolerant bin ich wirklich?

Da predige ich in meinen Beiträgen davon, dass wir alle toleranter werden sollen und muss mich aber gleichzeitig auch selbst an der Nase nehmen, denn während ich meine Artikel schrieb, habe ich immer wieder gemerkt, wie zornig ich eigentlich werde, wenn ich über gewisse Themen nachdenke. Und das ist doch ein Zeichen dafür, dass in mir auch eine gewisse Intoleranz schlummert. Dabei schätze ich mich selbst doch sehr offen und tolerant ein, wenn es darum geht, die Verschiedenheit der Menschen in unserer Gesellschaft vorbehaltlos anzunehmen.

Und dann machte mir der Kommentar eines Lesers tatsächlich einen Strich durch die Rechnung!

Andre von Mindeed schrieb, ich zitiere, unter folgendes Foto, (welches ich im Zuge meiner #letstalkaboutit Reihe auf Facebook gepostet habe):

Toleranz Zitat

“Kann man Tolerant sein, wenn man Intoleranz nicht toleriert? Toleranz/Intoleranz hat ja immer auch was mit dem eigenen Werteverständnis zu tun und kann damit kaum objektiv sein”

Ich dachte kurz über seine Worte nach und kam zu dem eindeutigen Schluss: Er hat Recht!

Wenn man sich einer bestimmten Menschengruppe gegenüber tolerant zeigt, geht damit tatsächlich immer auch eine Intoleranz gegenüber jenen, die anders darüber denken, einher.

Kommt ihr noch mit?

Hier ein Beispiel: Wenn ich behaupte, dass ich Menschen mit Migrationshintergrund gegenüber tolerant bin, ihnen also vorurteilsfrei begegne und ihnen dieselbe Chance gebe, sich in der Gesellschaft zu integrieren wie Anderen auch, spreche ich mich damit gleichzeitig gegen Menschen aus, die vielleicht eine rassistische Haltung haben und “Ausländer” aufgrund ihrer Herkunft diskriminieren. Ich bin diesen Leuten gegenüber also intolerant.

So. Nun stellt sich mir die Frage:

Gibt es so etwas wie Toleranz überhaupt? Oder ist dieser Begriff reine Utopie? Und was sind dann die Alternativen?

Mir schossen Begriffe wie “Akzeptanz” und “Verständnis” durch den Kopf.

Aber auch diese stehen für mich in klarem Widerspruch. Nur weil ich die Ursache nachvollziehen und verstehen kann, WESHALB jemand ein Vollidiot ist, heißt das noch lange nicht, dass ich sein Verhalten deswegen akzeptieren kann/muss.

Ihr wisst, worauf ich hinaus will?

Wie aber ist es dann überhaupt möglich, dass sich in unserer Gesellschaft gewisse Dinge verbessern und Tabuisierung aufgelöst wird?

Müsste ich von den Menschen verlangen, dass sie lernen, dass ihnen “alles egal” ist? Bedeutet, wenn mir die sexuelle Orientierung anderer egal ist, brauche ich mich damit auch nicht auseinanderzusetzen und komme dadurch überhaupt gar nicht erst in die Position, mich darüber aufzuregen, diese Menschen abzuwerten oder mich an Diskussionen in der Gesellschaft darüber zu beteiligen.

Ganz nach dem Motto: Wenn mir alles wurscht ist, kann ich alles akzeptieren.

Aber das ist doch der falsche Weg, finde ich. Es SOLL uns ja eben nicht alles egal sein. Wir sollen doch im Umgang miteinander achtsamer und respektvoller werden!

Ich stand persönlich vor einem echten Interessenkonflikt.

Mein Fazit:

Ich bin also im März, an der challenge, meine eigene Toleranz zu verbessern, kläglich gescheitert.

Ich erkannt habe, dass es diese offenbar einfach nicht gibt.

Stattdessen habe ich beschlossen, ein wenig gelassener zu werden, darin habe ich ja bereits ein wenig Übung, wie ihr in meinem Artikel Gelassenheit lernen- 5 Tipps, um entspannter durchs Leben zu gehen nachlesen könnt.

Ich möchte daran arbeiten, weniger zornig zu reagieren, wenn ich merke, dass jemand anderem Unrecht widerfährt. Ich möchte daran arbeiten, in diesen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und argumentativ zu versuchen, ein Umdenken in den Köpfen der Menschen zu bewirken.

Aber ich denke, das tue ich ohnehin schon. Ich bin niemand, der andere aufgrund ihrer Einstellung beleidigen würde und schon gar nicht öffentlich. Ich versuche meine Beiträge immer möglichst wertschätzend und neutral zu verfassen. Aber privat, könnte ich durchaus ein wenig an meinem inneren Gleichgewicht arbeiten. Da falle ich nämlich eher in die Kategorie “Rumpelstilzchen” 😀

Es gibt also für die nächsten Monate einiges zu tun und zu verbessern, wie ihr seht 🙂 Ich bin weiterhin optimistisch, dass ich im Zuge des Projekts doch noch den einen oder anderen persönlichen Erfolg verbuchen kann 😉

Jetzt würde ich natürlich gerne auch von euch wissen: Wie steht ihr zum Thema Toleranz? Ist dies für euch ebenfalls nur reine Utopie oder gibt es in euren Augen eine Möglichkeit, dass Toleranz ganz ohne Intoleranz stattfinden kann?

Liebe Grüße, eure Kay.

Falls auch ihr Interesse habt, beim Blogprojekt von Dailymaybe einzusteigen, so ist das jederzeit Möglich. Für nähere Infos, gibt´s hier den Link für Euch: 12 Möglichkeiten zur Selbstverbesserung.

Weitere Beiträge von TwistheadCats zu Dailymaybes Blogprojekt:

Alle Artikel aus meiner #letstalkaboutit Reihe auf einem Blick:

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Bildquelle: pexels

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26 Kommentare zu „Toleranz – Gibt es diese wirklich oder ist sie reine Utopie?

  1. Interessante Gedanken. Ich bin mir sicher, dass man gar nicht alles akzeptieren kann. Das würde ja dann bedeuten, dass ich zum Beispiel auch Fremdenhass akzeptieren müsste. Ich möchte also auch gar nicht alles akzeptieren. Übrigens benutze ich gerade extra das Wort „akzeptieren“, da „tolerieren“ für mich der falsche Ausdruck ist. Tolerieren kommt ja von „aushalten“, etwas „ertragen“. Aber ich möchte etwas oder jemanden ja nicht nur ertragen, sondern tatsächlich akzeptieren. 100 prozentige Akzeptanz (bzw. Toleranz) gibt es in meinen Augen also nicht, aber das finde ich auch nicht schlimm. Man kann nicht mit allem einverstanden sein. Natürlich muss man andere Menschen respektieren; aber deren Meinungen muss man (meiner Meinung nach) nicht tolerieren (im Sinne von: nicht mit Einverstanden sein). So, das war mein Wort zum Ostermontag. Liebe Grüße 😊

    1. Das war ein überaus gelungenes Wort zum Oster-Montag 😀 danke für diesen tollen Kommentar, ich bin da der gleichen Ansicht wie du 🙂 Du hast es wirklich schön auf den Punkt gebracht 🙂

      Liebe Grüße, Kay.

  2. Liebe Kay,
    Toleranz ist seit Monaten ein Thema in meinem Kopf. Nein ich will nicht immer tolerant sein, denn dann unterstütze ich Unrecht. Ich will der „Tradition“ der Kinderehe nicht tolerant gegenüberstehen. Ich will den Übergriffen auf Menschen nicht tolerant gegenüberstehen. Ich will den Beschneidungen von Frauen nicht tolerant gegenüberstehen. Nur drei Beispiele, die aufzeigen sollen, dass im Gegenteil Rückgrat gefragt ist!
    Alles Liebe
    Annette

  3. Toleranz als Verstehen, Akzeptieren von allem und jedem? Nein. An einem einfachen Beispiel: trinke ich ein Glas Wasser, bekommt mir dies. Trinke ich einen Eimer – schon viel weniger. Ich kann das nicht tolerieren. Jetzt den gleichen Versuch mit Ethylalkohol: nochmals eine dramatische Verschlimmerung meines Zustandes. Das heißt also, ich kann nicht nur bei einem anerkannten Genußmittel und Zellgift nur geringe Mengen tolerieren, also aushalten, ertragen, vertragen, sondern auch bei etwas so unverfänglichem wie dem reinsten Wasser. Genauso ist es aber doch mit Mitmenschen und gesellschaftlichen Zuständen: ich toleriere den Anderen. Aber nicht, wenn er Böses sagt oder gar tut. Nur bedingt, wenn er Dummheiten begeht. Ja, das gilt sogar für mich selbst – bei natürlich höherer Toleranzschwelle um nicht gleich Betriebsblindheit zu sagen. Selbst mich kritisiere ich, ertappe ich mich bei Unsinn, und das wäre es, wollte ich alles, jedes, Unflat, Böses usw. tolerieren. Nein, alles, auch das Gute hat Grenzen. Ich muß mich begrenzen und abgrenzen und ich muß auch den anderen abgrenzen wo nicht eingrenzen. So kann ich auch den Fremden nicht einfach vorurteilsfrei akzeptieren, so er mir nahe kommt, womöglich zu nahe. Vielleicht werden wir mal beste Freunde – aber hoppla, langsam mit den jungen Pferden! Fällst du mir gleich um den Hals muß ich dich leider zurückstoßen, in deine Schranken verweisen. Ich brauche meine Grenzen. Meine Persönlichen, meine Moralischen. Was ich allerdings leisten muß: sie immer wieder auf den Prüfstand stellen. Ganz allgemein wie bezogen auf den Einzelnen. Trotzdem werde ich nicht das arme Schwein, den Goldsucher im Amazonasgebiet, der alles mit seinem Quecksilber vergiftet tolerieren noch den Nazi, der seine Baseballschläger schwingt oder juristische Stolperfäden spinnt. Ich muß wissen, wo das Böse beginnt – wie gesagt, nicht mit dem ewigen Wissen um das einzig Wahre, das besitzt keiner von uns, das wäre zu einfach. Aber selbst wenn ich verstehe, warum einer etwas Schlimmes oder Böses tut muß ich es weder akzeptieren noch tolerieren.

    1. Stimmt, alles Gute hat seine Grenzen, das fasst das gesamte Thema eigentlich ganz gut zusammen. Ich finde deinen Ansatz, dass man ja bei sich selbst auch immer wieder Eigenschaften entdeckt, die man nicht toleriert, sehr interessant und richtig.

      Danke für diesen ausführlichen Kommentar 🙂 Liebe Grüße!

  4. das ist wirklich eine spannende Perspektive, die du hier beleuchtest meine Liebe!
    Achtsamkeit im Alltag vergessen wir leider viel zu schnell … ich muss mich selber immer wieder daran erinnern 😉

    natürlich gilt das auch immer für unsere Mitmenschen! ein toller Reminder also auch 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

    1. Danke 🙂 Ja die Achtsamkeit bleibt tatsächlich oft auf der Strecke! Ich selbst werde auch versuchen, an dieser wieder mehr zu arbeiten. Gerade in stressigen Zeiten werde ich selbst auch oft egozentrisch, das sollte nicht sein…

      Liebe Grüße und noch einen schönen Tag!

  5. Ein interessanter Artikel. Ich finde, es hat immer etwas mit Werten zu tun. Die gilt es zu entdecken und vielleicht auch wertzuschätzen. Ich kenne zum Besipiel niemanden, der einen Coffee-to-go trinkt und dann einfach den Becher in die Umgebung wirft. Trotzdem ist alles voll mit Müll. Wenn man seine eigenen Werte entdeckt, macht man das vielleicht nicht.
    Das Thema Toleranz hatte ich auch neulich im Gespräch und es kam die Auffassung zutage, dass es darauf ankommt, wen man da vor sich hat. Ist es jemand, der anders ist, oder ist es jemand, der andere nicht toleriert? Dem ersten ist man unvoreingenommen gegenüber, bei letzterem muss man das Verhalten nicht tolerieren, wenn die Perosn selbst nicht toleriert.
    Jedenfalls glaube ich, wenn man klare Werte hat, aber sie auch mal reflektiert natürlich, weiß man auch, wo da die Grenzen sind. Wenn etwas über diese Grenzen hinausgeht, das hat die Geschichte oft genug gezeigt, kann es sehr gefährlich sein, nichts zu tun.
    Für mich ist es eher eine Frage, was ich tun kann, damit es weniger Hass gibt, weniger Müll in der Umwelt, weniger Gift, Tierquälerei … weniger nicht tolerierbares Verhalten und Ursachen für dieses.

    1. Ein spannender Kommentar, danke Tina.
      Stimmt du hast vollkommen recht, Toleranz hat immer etwas mit den eigenen Werten zu tun und natürlich kommt es auch immer auf das Gegenüber an…
      Genau dieselbe Frage stelle ich mir auch und ich hoffe dass die Menschheit irgendwann die richtige Antwort darauf findet, dass all diese schrecklichen Dinge keinen Platz mehr in unserer Welt finden.

      Liebe Grüße, Kay.

  6. Hey,

    ich bin wirklich ein toleranter Mensch, aber auch ich habe meine Grenzen. Ich kann nicht alles gut heißen oder alles super toll finden, aber wichtig ist wie man damit versucht umzugehen.

    Dein Beitrag regt jedenfalls sehr zum Nachdenken an und ich finde es gut, dass du dich mit solchen Themen auseinander setzt und dieses Thema versuchst einen näher zu bringen.

    Lg
    Steffi

  7. Hallo,

    Wunderbar!
    Toleranz muss meiner Meinung nach unseren Kindern bedingungslos vorgelebt werden. Meine Kinder verstehen nicht, warum so viele Menschen Probleme mit anderen haben, die nicht so sind wie sie selbst …

    Liebe Grüße von meinem Lieblingsleseplatz aus,
    Verena

  8. Ein sehr interessanter Artikel, der mich auf jeden Fall zum nachdenken bringt. Du hast meiner Meinung richtig gute Denkanstöße gegeben, auf die ich sicherlich nicht gekommen wäre. Ich dachte auch ich bin ein sehr toleranter Mensch, aber wenn man das so sieht, wie du es gerade beschrieben hast, toleriere ich eben keine Wähler rechtsradikaler Parteien. Ich finde allerdings, dass Intoleranz auch irgendwie in der Natur des Menschen liegt und das muss ja nicht unbedingt schlecht sein. Es gibt schließlich Dinge, die mag man und es gibt Dinge, die mag man nicht, aber jeder darf eine Meinung zu etwas haben. Und solange es bei uns die Meinungsfreiheit gibt, wird es immer offen gezeigte Intoleranzen geben. Und wenn die Meinungsfreiheit abgeschafft werden sollte, gäbe es eben eine Intoleranz dagegen. Also ich denke nicht, dass man Intoleranz komplett vermeiden kann. Aber es ist vielleicht der richtige Weg einfach etwas gelassener über manche Dinge zu denken, jedoch sollte einem keinesfalls alles egal sein und trotzdem weiterhin eine Meinung vertreten können.

    Liebe Grüße

    Pascale

    1. Sehr inspirierende Worte, danke Pascale! 🙂
      Ja du hast recht, so gesehen muss Intoleranz nicht unbedingt automatisch etwas schlechtes sein! In Hinsicht darauf, dass sie ja auf Meinungsfreiheit aufbaut ist sie sogar notwendig.
      Danke, dass auch du mir wieder einen neuen Denkanstoß gegeben hast, mit deinem Kommentar 🙂

      Liebe Grüße, Kay.

  9. Zitat:
    Wenn ich behaupte, dass ich Menschen mit Migrationshintergrund gegenüber tolerant bin, ihnen also vorurteilsfrei begegne und ihnen dieselbe Chance gebe, sich in der Gesellschaft zu integrieren wie Anderen auch, spreche ich mich damit gleichzeitig gegen Menschen aus, die vielleicht eine rassistische Haltung haben und “Ausländer” aufgrund ihrer Herkunft diskriminieren. Ich bin diesen Leuten gegenüber also intolerant.

    Zurecht!

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