Du bist OK, ich bin OK: Konstruktives Feedback und wie Du es zielsicher einsetzt

konstruktives Feedback

(Dies ist ein Gastbeitrag von Dennis von CTRL-Life. Mehr Infos über Autor&Blog gibt´s am Ende des Beitrages)

Wenn ich mir ein neues Buch kaufen möchte, dann lese ich zuerst die Bewertungen, die über das Buch abgegeben worden sind und entscheide mich erst dann für oder gegen einen Kauf.

Wenn ich ein Seminar oder eine Tagung besuche, werde ich im Anschluss oftmals um ein schriftliches Feedback zu den Inhalten und zum Veranstalter gebeten. Bei großen Meetings oder Workshops wird eine Feedbackrunde bereits in die Agenda integriert.

Vorgesetzte müssen ihren Mitarbeitern (und umgekehrt) Feedback über deren Leistung und Verhalten geben, das in vielen Unternehmen Einfluss auf Gehaltssteigerungen oder Karrierestufen hat.

In unseren Partnerschaften und bei der Erziehung unserer Kinder spielt Feedback eine Schlüsselrolle in der Kommunikation.

Feedback beeinflusst also nicht nur unsere Entscheidungen, es kann auch unseren beruflichen Werdegang und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen beeinflussen.

Feedback ist ein wichtiges, und ebenso mächtiges, Instrument unserer Kommunikation und zählt daher zu einer der anspruchsvollsten Kommunikationstechniken!

Umso wichtiger ist es, dass wir in der Lage sind präzises und konstruktives Feedback zu geben und auch zu erhalten bzw. anzunehmen.

Futter für unser Ego

Wörtlich übersetzt bedeutet Feedback „Zurückfüttern“. Wir bekommen durch dieses Zurückfüttern einen Spiegel vorgehalten und unsere Wirkung nach außen wird uns verdeutlicht. Wir erhalten eine Rückmeldung über unser Verhalten.

Feedback ist wichtig, damit wir uns immer wieder neu orientieren können.

Ein Segler bekommt ein Feedback, ob er noch auf dem richtigen Kurs ist, wenn er auf seinen Kompass oder seine Navigationsinstrumente schaut. Auf diese Weise erhält er eine Orientierung und kann den Kurs, wenn nötig, anpassen.

Eine Kommunikation auf Augenhöhe kann nur entstehen, wenn alle involvierten Parteien konstruktives Feedback geben und dieses Feedback genügend verwendbare Informationen enthält.

Wir alle benötigen Feedback um uns weiterzuentwickeln und unsere Außenwirkung einschätzen zu können. Ohne Feedback findet kein Lernprozess statt!

Feedback entgegenzunehmen ist jedoch leichter gesagt als getan. Um Feedback unserer Mitmenschen annehmen zu können müssen wir durch eine lernbereite und offene Einstellung dafür sorgen, dass Feedback auch bei uns ankommt und uns eine Orientierungsgrundlage bietet.

Die Praxis sieht oft anders aus.

Wir sind durch Erfahrungen, die wir in unserem Leben gesammelt haben, darauf vorprogrammiert, Kritik als Angriff gegen unsere Person zu verstehen. Fast schon automatisch beginnen wir uns zu rechtfertigen und verstricken uns in Diskussionen. Es wiederstrebt einfach unserer Natur negatives Feedback zu akzeptieren.

Selbstreflektion:

Wann hast du das letzte Mal Feedback erhalten, dass du so nicht akzeptieren konntest und du dich dabei ungerecht behandelt gefühlt hast? Wann hat dir zuletzt jemand ein konstruktives Feedback gegeben, bei dem du dich wohlgefühlt hast und du dem Feedbackgeber zugestimmt hast? Was hat der Feedbackgeber in der jeweiligen Situation getan oder gesagt, dass du dich so gefühlt hast?

Feedback geben – aber richtig

Fairness und Fingerspitzengefühl sind gefordert, wenn es darum geht konstruktive Rückmeldung zu geben. Feedback geben scheint auf den ersten Blick recht einfach zu sein. Jedoch driftet, wie so häufig, die Schere zwischen Realität und Anspruch rasch auseinander. Wenn Feedback für den Feedback-Empfänger hilfreich sein soll, so muss es vom Feedback-Geber konstruktiv gestaltet und vermittelt werden.

Feedback soll dessen Empfänger unterstützen und Ihn ermutigen sich weiterzuentwickeln. Es soll keine Hürden aufbauen und auch keine Steine in den Weg legen.

Feedback entfaltet seine Wirkung am besten, wenn es ausgewogen gestaltet wird. Die folgenden 7 Regeln sollen dir eine Hilfestellung geben, wie konstruktives Feedback vorgetragen werden kann, damit es seine angestrebte Wirkung nicht verfehlt und eine offene und konstruktive Feedback-Kultur geschaffen wird:

7 Regeln für konstruktive Rückmeldung

Du bist OK, ich bin OK: Feedback findet auf Augenhöhe statt und sollte stets von einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts gekennzeichnet sein. Ein solcher Umgang miteinander macht es beiden Parteien möglich sich zu öffnen und sich auf Verbesserungen oder Veränderungen einzulassen.

Positives zuerst: Wenn ein Kritikgespräch mit etwas Positivem begonnen wird, so ist der Feedback-Nehmer offener und hat mehr Bereitschaft die nachfolgenden, kritischen Punkte anzunehmen. Wenn hingegen das Gespräch mit negativen Punkten begonnen wird, so wird der Feedback-Nehmer mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Abwehrhaltung übergehen und eine Kommunikation auf Augenhöhe ist kaum mehr möglich.

Hilfe und Anregung: Konkrete Vorschläge für die Verbesserung der Kritikpunkte schaffen Hilfestellung und Anregungen für künftiges Handeln. Das Feedback ist ein Angebot an den Feedback-Nehmer und daher sollten die Hilfestellungen nicht wie Anweisungen rüberkommen.

Konkrete Beispiele: Die vorgetragenen Kritikpunkte sollen sich immer auf ein konkretes Beispiel oder eine aktuelle Situation beziehen. Achte auch darauf, das keine allgemeinen Floskeln wie immer, andauernd, meistens oder nie verwendet werden. Es ist immer besser ein beobachtetes Verhalten als Beispiel anzugeben als Pauschalaussagen zu platzieren.

Interpretationen vermeiden: Gleiches Verhalten kann von einer anderen Person völlig anders interpretiert werden. Es ist daher umso wichtiger, dass du eine neutrale Beschreibung anstatt einer persönlichen Interpretation verwendest.

Ich: Sage ich, wenn du ich meinst. Worte wie wir oder man gaukeln eine einheitliche Meinung vor, die im Zweifel gar nicht vorherrscht. Anstatt „man konnte die Botschaft deines Vortrages nicht verstehen“ sagst du besser „Ich habe die Botschaft deines Vortrages nicht verstanden“.

Zeitnahe Rückmeldung: Feedback sollte immer zeitnah geschehen. Im Laufe der Zeit verblassen die Details einer Situation. Subjektive Eindrücke können die Erinnerungen verfälschen. Wenn Feedback rechtzeitig gegeben wird, so kann der Feedback-Nehmer umso rascher mit der Umsetzung der Rückmeldung beginnen.

Im Feedback ist es besonders wichtig, dass eine gesunde Balance verschiedener Aspekte vorherrscht. Wertschätzung, Konfrontation und Einfühlung müssen in ein Feedbackgespräch ausgewogen zum Einsatz kommen.

Du hilfst auch dir selbst

Feedback geben und Feedback nehmen ist ein Prozess der kontinuierlichen persönlichen Weiterentwicklung. Wenn du anderen hilfst sich durch konstruktives Feedback zu verbessern und weiterzuentwickeln, dann hilfst du dir damit am Ende auch selbst.

Bestimmte Verhaltensmuster und Situationen werden von einem selbst öfter reflektiert. Wir denken mehr darüber nach, wie wir uns selbst in bestimmten Situationen verhalten haben und wir setzen uns kritisch mit der Ungleichheit zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinander. Wir sind selber daran interessiert von anderen konstruktives Feedback zu erhalten um uns weiterzuentwickeln und zu lernen.

Jeder von uns benötigt offenes und konstruktives Feedback um eine Quelle der Orientierung zu haben. Ohne regelmäßiges Feedback kann kein Lernprozess stattfinden. Das Feedback sollte immer so gestaltet werden, dass der Feedback-Nehmer es auch gut annehmen kann.

Wenn wir alle diese Grundsätze der Rückmeldung beherzigen, dann schaffen wir eine positive Feedback-Kultur, schaffen die Basis für eine Kommunikation auf Augenhöhe und legen den Grundstein für eine stetige Weiterentwicklung.

Welche Erfahrungen hast du zum Thema Feedback gesammelt? Ich bin mir sicher es gibt auf diesem Gebiet einiges zu berichten. Schreib uns doch einen Kommentar und lass uns an deiner Geschichte teilhaben.

Beste Grüße

Dennis

Über den Autor:

Dennis ist Manager in einem großen amerikanischen Automotive-Konzern und Autor bei ctrl-life.de. Ctrl-Life setzt sich dafür ein, Menschen zu einem positiveren Lebensgefühl zu verhelfen. CTRL-Life möchte seine Leser zum Nachdenken anregen und dazu ermutigen, Veränderungen anzustoßen und Potenziale zu entfalten. Getreu dem Motto:

„Zeit, die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt.“

6 Kommentare zu „Du bist OK, ich bin OK: Konstruktives Feedback und wie Du es zielsicher einsetzt

  1. Wow, was für ein toller Artikel mit vielen wahren Worten. Ich gehe mit Kritik generell ganz easy um…und differenziere zwischen der Tatsache und der Person, die diese „Kritik“ ausübt!
    Gerade in der Bloggerszene gibt es immer wieder „Kritik“ … oftmals solche die eben keinen Sinn macht. Wenn sie allerdings konstruktiv ist, dann denke ich auch gerne mal darüber nach!

    Liebe Grüße

    1. Danke für deinen Kommentar, liebe Ramona!
      Toll, dass du die Fähigkeit besitzt so klar zwischen Aussage und Person differenzieren zu können, viele müssen sich dies wirklich hart erarbeiten 🙂

      Das stimmt, auch beim Inhalt der Kritik muss man manchmal differenzieren! Ich bin eigentlich ein Fan konstruktiver Kritik, denn sie hilft mir, mich weiterzuentwickeln und daher sehe auch ich diese niemals als persönlichen Angriff. Wenn sie allerdings ungerechtfertigt und sinnlos ist, kann mich das durchaus manchmal… „unrund“ machen 🙂

      Liebe Grüße, Kay.

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