„Der Liebes-Grinch“ – Warum es so wichtig ist, Gefühle zuzulassen.

Wie ich lernte, endlich meine Gefühle zuzulassen und wie ihr das auch schaffen könnt!

Ja durchaus, ich war ein gefühlsarmes Wesen.

Körperliche Kontakte zu engen Freunden und Verwandten, seien es Umarmungen oder Küsschen auf die Wange, widerstrebten mir dermaßen, dass sie mich augenblicklich erstarren ließen.

Der Anblick von Kindern löste in mir keinerlei Mutterinstinkte aus, sondern eher das Verlangen, den Abstand zu dem kleinen Menschen zumindest soweit zu vergrößern, dass mich keine schokoladenbekleckerten Finger oder Schleimfäden nach einem unkontrollierten Niesen (ohne vorgehaltener Hand natürlich!) erreichen konnten.

Und nicht zu vergessen, das unfreiwillige Beiwohnen öffentlicher Liebesbekundungungen von glücklichen Paaren! Dies widerte mich dermaßen an, dass ich mir von Freunden letztlich den Spitznamen des „Liebes-Grinchs“ einhandelte.

Der Liebes Grinch TwistheadCats Blog Kolumne Warum es wichtig ist Gefühle zuzulassen

Wer den Grinch aus der gleichnamigen Kinderweihnachtsgeschichte kennt (ein fabelhaftes Buch und ein noch fabelhafterer Film im Übrigen- aber ich bin auch ein Weihnachtsjunkie wie er im Buche steht, kein Weihnachtsfilm ist mir zu kitschig, kein Punschstand vor mir sicher und nein, es kann NIEMALS genug Lametta am Baum hängen), der weiß, dass selbiger, nun ja, sagen wir… „leichte Einschränkungen“ hat was Empfinden von Gefühlen betrifft.

Nun, so war es bei mir auch. Ich konnte Gefühlen einfach nichts abgewinnen. Seien es positive oder negative.

Geschuldet war diese Gefühlskälte vermutlich diversen Erfahrungen aus meiner Kindheit, die mich dazu veranlassten Gefühle lieber zu verdrängen oder zu unterdrücken, um es im Leben (vermeintlich) etwas leichter zu haben. Wer nicht fühlt, kann auch nicht verletzt werden, so lautete meine Devise.

Filme oder Musik rührten mich niemals zu Tränen.

Gefühle wie Eifersucht ergaben für mich keinen Sinn, denn (Achtung, jetzt folgt der immerschlaue Satz) Eifersucht ist eine Leidenschaft die mit Eifer sucht was Leiden schafft.

Ich besaß keine Leidenschaft.

Kurz gesagt, Gefühle erschienen mir einfach sinnlos. Und vor Allem Liebesgefühle aller Art. Hat man eh nur Ärger damit. Soweit mein Gedanke.

Eifersucht ist eine Leidenschaft die mit Eifer sucht was Leiden schafft TwistheadCats Blog Liebes Grinch Gefühle zulassen

Tja, aber wie auch den Grinch am Ende des Films, ereilte mich, schonungslos und mit voller Wucht das Phänomen, plötzlich Gefühle empfinden zu können.

Wie das? Nun ich nenne es Karma. All mein Geschimpfe und meine Abneigung bezüglich der Liebe und den damit verbundenen Emotionen, sowie deren Ausdrucksweisen, führten letztlich dazu, dass mich mein Schicksal heimsuchte und mir unerwartet einen Menschen vor die Nase setzte, der alles veränderte.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt natürlich schon Beziehungen geführt hatte. Diese waren aber meist eher Mittel zum Zweck. Sich nicht alleine fühlen zu müssen hat durchaus Vorteile. Und ja, so etwas wie Zuneigung konnte ich schon empfinden. Nette Worte und Körperkontakt innerhalb der eigenen vier Wände waren in meinen Augen durchaus akzeptabel. Öffentliches Küssen oder gar Händchen halten war dann aber doch Zuviel des Guten.

Zu dem Zeitpunkt als sich alles änderte, war ich gerade mitten in der Quarterlife Krise. Wobei „Krise“ vielleicht der falsche Ausdruck ist, denn eigentlich war ich ein ziemlich glücklicher Single und lebte mein Leben wie es mir passte, ohne Rücksicht auf Andere. Abwechslung und Spaß standen für mich an oberster Stelle.

Dass mich die Begegnung mit diesem besonderen Menschen veränderte, soll nicht heißen, dass ich auf Anhieb von Gefühlen, in diesem Fall überFRAUT, wurde oder dass mein Gegenüber dermaßen vor Emotionen überströmte, dass ich einfach mitgerissen wurde. Nein. Die Veränderung kam schleichend und hinterlistig. Sie pirschte sich an und warf sich dann mit voller Wucht auf mich.

Händchen halten TwistheadCats Liebes Grinch

Monatelang sträubte ich mich, auch nur in Erwägung zu ziehen, dass ich vielleicht doch kein Grinch war. Und besagter Mann ebenso. Pah, WIR waren doch beide einfach viel zu cool für Gefühle. Wir wollten doch einfach nur Spaß. Dachten wir. Tja…DACHTEN wir.

Plötzlich gab es Herzklopfen beim Gedanken an den Anderen und Vorfreude, wenn ein Treffen geplant war. Man sah sich sicherheitshalber zweimal in den Spiegel bevor man ausging und auf einmal war Händchenhalten in der Öffentlichkeit gar nicht mehr so doof. Dieses „wir gehören zusammen, das soll jeder sehen“ … Ein schrecklich ungewohntes Gefühl. Für beide.

Aber eben deshalb, weil es für beide Neuland war, dieses „Gefühlsding“, gewöhnten wir uns an, offen darüber zu reden. Und wir fingen an über uns selbst nachzudenken. Und konnten tatsächlich neue Seiten an uns entdecken. Und irgendwann lernten wir sogar, diese auch anzunehmen und nicht länger zu unterdrücken.

Das faszinierende an der ganzen Sache war , dass sich meine neu gewonnene Zutraulichkeit plötzlich auch auf andere Personen in meinem Umfeld auswirkte. Ich brachte es auf einmal fertig, meiner besten Freundin auch OHNE Alkoholeinfluss und VOR 3 Uhr morgens, ehrlich und aufrichtig zu sagen, dass sie mir wichtig ist. Und ich kam mir dabei auch gar nicht mehr so blöd vor.

Meine Freundin reagierte übrigens über die Maßen emotional vor lauter Überraschung bezüglich meines plötzlichen Ausbruches an Freundlichkeit und fing augenblicklich an zu heulen wie ein Wasserfall. (Vor Rührung, nicht vor Abscheu. Ich hab´ sicherheitshalber nachgefragt 😉)

Dass ich wieder Gefühle zulassen konnte, kam nicht von heute auf morgen. Ganz klar, wenn man sich jahrelang antrainiert, seine Emotionen zu unterdrücken, macht man einen ziemlich langen und intensiven Prozess durch, bis man wieder damit umzugehen weiß.

TwistheadCats Blog Liebes Grinch Warum es wichtig ist seine Gefühle zuzulassen Sitzendes Pärchen

Mein Fazit:

Hat es sich für mich gelohnt? Auf jeden Fall. Denn es kommen mit den Gefühlen ja nicht nur negative Seiten wie Trauer und Schmerz zurück, sondern vor allem die Freude. Und wenn man seine Gefühle zeigt, wirkt sich das positiv auf das gesamte Leben aus. Ich habe dadurch nicht nur eine engere Bindung zu meinen Freunden und meiner Familie aufbauen können, sondern auch in meiner Arbeitsstelle. Dort blieb mein Geisteswandel ebenfalls nicht unbemerkt und ich erntete Lob für meine gesteigerte Empathie und Zugänglichkeit.

Ich bin jetzt einfach offener. Offener für neue Menschen, offener für neue Situationen, offener für mein Leben.

Und der Grinch? Tja, der bleibt weiterhin mein liebster Weihnachtsfilm und ich kann immer noch nachvollziehen wie es ist, wenn das „Herz zwei Nummern zu klein“ ist. Der Unterschied ist aber , dass ich jetzt AUCH verstehen kann, wie sich sein Hund Max und die Whos am Ende des Films fühlen, als der Grinch zum ersten Mal seine Gefühle zeigt 😉 .

Mein Appell an euch:

An alle Grinchs da draußen: Lernt, Gefühle zuzulassen. Das wird euer Leben in vielerlei Hinsicht bereichern!

Und auch wenn einen Trauer und Schmerz ereilen, was im Laufe des Lebens keinem von uns vorbehalten bleibt, kann man damit viel besser umgehen, wenn man seinen Gefühlen freien Lauf lässt und sich mit ihnen bewusst auseinandersetzt.

Denn dann hat man ebenso die Gewissheit, dass man irgendwann auch wieder die Freude fühlt. Weil man sie ganz einfach fühlen KANN.

Liebe Grüße, eure Kay.

Kennt ihr das auch, diese Schwierigkeit Gefühle zulassen zu können? Oder seid ihr schon immer ganz offen und empfänglich dafür? Teilt mir eure Erfahrungen zu diesem Thema doch bitte in den Kommentaren mit!

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32 Kommentare zu „„Der Liebes-Grinch“ – Warum es so wichtig ist, Gefühle zuzulassen.

  1. Sehr offener Artikel, gefällt mir sehr gut.

    Ich kenn das nur zu gut, ich tu mir sehr schwer Gefühle zuzulassen. Meine sagt immer, ich bin ein emotionaler Eisberg. Wobei das wohl einfach daran liegt, dass es sich als die bessere Strategie bewährt hat. Zumindest für mich, ich war nicht immer so. Früher war ich ein 100% Gefühlsmensch und das hat mir damals fast mein Leben gekostet.

    Wie immer ist die passende Balance, denke ich, die Lösung. Ist man zu emotionslos, wird man womöglich abgestumpft. Ist man zu emotional dann beherrschen einen die Gefühle und man entwickelt eine Emotionssucht.

    Lg Silviu

    1. Danke für deinen offenen Kommentar, Silviu!

      Ich stimme dir vollkommen zu, dass auch hier wieder die Balance das um und auf ist und die ist gar nicht so leicht zu finden!

      Nun, wie wir aus der Psychologie wissen, liegt beim Eisberg unter der sichtbaren Oberfläche ja noch so einiges verborgen, also muss sich deine Freundin keine Sorgen machen.😉 Man ist ja nicht „gefühlstot“ nur weil man nicht alles gleich offen herauskehrt☺️

      Liebe Grüße und dir noch einen schönen Tag, Kay.

  2. Ohne zu sehr in die Details gehen zu wollen, oder zu können: Ja, ich kenne das auch. Und arbeite dran. Klappt in Teilbereichen ganz gut, an anderen Stellen gar nicht. Lässt sich aber auch nicht übers Knie brechen.
    Und den „Grinch“ habe ich im Übrigen nie gesehen 😉 .

    1. Das stimmt, das braucht alles Zeit und ist auch bei mir ein niemals endender Prozess, denn manchmal bin ich doch in Versuchung mich lieber emotional zurückzuziehen als mich mit meinen Gefühlen auseinander zu setzen😉

      Na dann wird es aber Zeit mein Lieber ich finde gerade als Erwachsener Mensch kann man sich aus dem Film viel mitnehmen und vielleicht hilft er dir sogar bei deinem Vorhaben etwas „gefühliger“ zu werden 😉

      Danke für deinen Kommentar, liebe Grüße, Kay.

  3. Wow, was für ein schöner und ehrlicher Beitrag! Hut ab, dass du das alles mit uns geteilt hast. Ich hatte zwar nie wirklich Probleme, meine Gefühle zuzulassen (ich bin da eher das Gegenteil^^), aber ich kann aus der Sichtweise einer Freundin von Menschen, die Probleme damit haben/hatten, ein Buch schreiben.^^ Ich habe mich daher in deiner Freundin, die vor Rührung ob deines Gefühlsausbruches geheult hat, wiedergefunden und kann dir nur weiterhin Mut machen, deine Gefühle zuzulassen. Dein Umfeld wird es dir danken. <3
    Den Titel finde ich übrigens auch toll gewählt. Bei "Liebes-Grinch" muss man einfach draufklicken. 😉
    Alles Liebe und ganz liebe Grüße
    Julie

    1. Oh vielen Dank, Julie für deinen netten Kommentar!😊

      Ich bewundere Menschen, die von Anfang an offen sein können, meine Grundskepsis allem gegenüber und die Angst, verletzt zu werden kann ich nach wie vor nicht ganz abstellen aber ja, ich arbeite ständig daran und dieser Prozess wird mich wohl mein ganzes Leben lang begleiten☺️

      Liebe Grüße und einen schönen Dienstag, Kay.

      1. Gerne! 🙂 Das verstehe ich auch. Es ist ja auch nicht schön, verletzt zu werden und eigentlich ein natürlicher Schutzmechanismus, dass man sich dann mal verschließt.
        Dass es bei mir anders ist, hab ich wohl von meiner Mum … und das hat natürlich auch negative Seiten.
        Ich denke jeder hat Dinge, an denen er lebenslang zu arbeiten hat. 😉

        Alles Liebe und auch dir noch einen schönen Tag! 🙂

  4. Obwohl meine Mutter mich dazu erzogen hat meine Gefühle zu verbergen: „Nun sei doch keine Heulsuse!“ … Hatte ich liebevolle Grosseltern, die es mir vorgelebt haben.
    Dadurch habe ich den Vorteil das ich nach außen hin, im Job, coole Herrin jeder Lage bin. Privat aber ganz anders bin.
    Nur weinen, weinen kann ich fast nur auf Beerdigungen (macht nix – macht eh nur Augenringe + Kopfweh!

    1. Danke für deinen Kommentar!

      Ja mir geht es da ähnlich. Auch wenn ich mir nahestehenden Personen gegenüber „weicher“ geworden bin, habe ich denke ich, eine gute Balance gefunden, denn ich bin jetzt nicht inflationär offen für alles und jedem gegenüber aber die Tatsache grundsätzlich mal Gefühle zu haben, hat mein Leben doch sehr bereichert.

      Job ist ein gutes Beispiel dafür. Ich bin vielleicht empathischer geworden, konnte mir aber dennoch emotionale Distanz wahren, was einfach wichtig ist, um gut arbeiten zu können!

      Liebe Grüße, Kay.

  5. Hi,

    ein sehr ehrlicher, offener und nachdenklicher Artikel.

    Schön, dass du uns diese Seite auch gezeigt hast und das du eine Möglichkeit gefunden hast damit umzugehen.

    Lg

    Steffi

  6. Das ist ein sehr schöner Bericht!
    Danke Dir!
    Ich muss sagen, früher war ich ein Eisberg, aber heute kann ich besser mit den Gefühlen umgehen und darüber bin ich sehr froh!
    Hab einen schönen Abend!
    xoxo
    Jacqueline

  7. Ich bin in in einem Elternhaus aufgewachsen in dem über Gefühle nicht wirklich gesprochen wurde. Umarmungen und all die Zärtlichkeiten, die für mich bei meinen Kindern eine Selbstverständlichkeit sind, kannte ich nicht. Ich kann dich also gut verstehen. Aber es ist wichtig Gefühle zuzulassen und ich bin stolz dass es mir gelungen ist.

    Liebe Grüße
    Verena

  8. Ein schöner Beitrag! 🙂 Ich finde es super, dass sich im Endeffekt alles zum Guten bewegt hat!
    Weiter so, du ziehst dein Ding schon durch 🙂
    Kann es aber auch nachvollziehen, wie es ist, wenn meine seine Gefühle unterdrückt.
    Wir haben alle irgendwo unser Päckchen, das wir mit uns tragen. Manche zeigen das, andere eher nicht.

    Ich wünsche dir einen schönen Start ins Jahr 2018 und dass du weiterhin glücklich bist! <3
    Ganz liebe Grüße aus Singapur.
    Michelle
    http://gowhereyourhearttellsyoutogo.wordpress.com/

  9. Liebe Kay,

    ein toller Beitrag und wer kennt das nicht? Gerade, wenn man verletzt wurde, wer macht da nicht dicht?
    Aber: nach Regen kommt Sonnenschein. 🙂 Und ich denke, wenn ein besonderer Mensch in dein Leben tritt, merkt man das früher oder später.
    Ansonsten toller Beitrag! 🙂

    Liebe Grüße
    Miss Lisbeth

  10. Sehr schöner Beitrag!
    Ich denke, dass ich generell ein sehr offener Mensch in, aber mit den Gefühlen ist es nicht immer so einfach.
    Aber ich glaube fest daran, dass die Gefühle kommen, wenn man den oder die Richtigen/Richtige trifft 🙂
    Liebe Grüße
    Isabel von Isabelciel.com

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